Trinidad

Cuba 2018-3059.jpg

Trinidad ist wie die Erzählung aus einem bunten Kinderbuch – als hätte
jemand vor vielen Jahren eine Tüte farbiger Bonbons aufgerissen und in
der Sierra del Escambray verteilt. Die warme Sonne Kubas formte aus
jedem Bonbon ein Häuschen und jedes Karamell wurde ein Pflasterstein für
die Straße. In der Region gab es so viel Zuckerrohr, dass die
Zuckerbarone aus den kleinen bonbonfarbenen Häuschen große und prächtige
Plätze formten, Kirchen und Statuen. Die Menschen waren glücklich in
ihrer zuckersüßen Stadt und wenn sie den verlockenden Zuckerrohrsaft
nicht für ihre Häuschen brauchten, so gossen sie etwas in kleine Gläser,
füllten sie mit Rum, Honig und Eis und nannten ihr Getränk Canchánchara.
Das zu trinken bereitete ihnen Freude und sie tanzten in den Häusern und
auf den Straßen, die Musiker musizierten und die Sänger sangen zum
Rhythmus von Rumba, Chachacha, Salsa und Son.

Viele Jahre vergingen bis die moderne Zeit hereinbrach und fast schien
es, als hätten die Menschen das kleine Städtchen im Land des Zuckerrohrs
vergessen. Doch dann entdeckte es jemand und es kamen Reisende, da ihnen
der Entdecker erzählte, dass es in Kuba ein Städtchen gab, so
bonbonfarben wie aus einem Kinderbuch und mit prächtigen Häusern und
großen Plätzen. Und nun sind sie da, Menschen aus der Fremde, die sie
hier “Turistas” nennen. Und sie begutachten die Häuser und sie trinken
den Canchánchara und sie freuen sich und versuchen zu tanzen. Meist
trauen sie sich letzteres nicht und wenn, dann sind sie oft etwas steif.
Deshalb geben ihnen die Bewohner noch mehr Canchánchara. Das macht die
Turistas zwar nicht zu besseren, aber zu mutigeren Tänzern – und auch zu spendableren Menschen. Somit bekommen
die Einwohner Trinidads mehr Trinkgeld, womit sie ihre schönen bunten
Häuschen renovieren können.

Das lockt noch mehr Reisende an. Diese begutachten tagein tagaus die bunten Häuschen und die Einwohner begutachten wiederrum die Turistas.
Dabei sitzen sie hinter ihren Türgittern, die mehr dazu gemacht sind,
die Kommunikation mit der Straße zu erlauben als sich abzuschirmen und
sie sind gespannt, was denn da in den nächsten Jahren noch so kommen wird – in der Stadt der Zuckerhäuschen.

 

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