Viñales – Land der Cohiba

Sachte rollen die Finger über die monatelang getrockneten, rotbraunen
Tabakblätter. Zuerst ist es nur eine unförmige Rolle, frei von jener
Perfektion, die das fertige Produkt umgibt, doch nach ein paar weiteren
Bewegungen liegt sie plötzlich vor mir: eine COHIBA in vollendeter Form
und Farbe. Sie ist die Königin der Zigarren, hergestellt aus den obersten,
kostbarsten Blättern der Tabakpflanze. Der Künstler der sie drehte, einer der
lokalen Tabakbauern, taucht die Spitze, nachdem er den vorderen Teil
abgeschnitten hat, in kubanischen Honig – so will es die Tradition. Wenig
später qualmt feiner Rauch zwischen meinen Mundwinkeln hervor und meine
Zunge begehrt den schokoladig-süßlichen Geschmack, der sich mit jedem
Zug aus den gerollten Blättern löst. Meine Sinne sind berauscht und mir
wird klar, dass niemand, der den Geschmack einer frisch gedrehten
kubanischen Zigarre gekostet hat, ihn jemals wieder vergisst.In der Gegend um Viñales, in der diese Szene spielte, reichen sich
Authentizität und kultureller Reichtum die Hände. Die Menschen wirken
unglaublich entspannt, überall auf den Straßen sind Oldtimer im
Gebrauch, so als wäre es das Normalste der Welt, diese Fahrzeuge als
Taxis, Lieferwägen, Baustellenfahrzeuge oder einfach für den
Privatgebrauch einzusetzen. Hinzu kommen die bunten Häuschen mit den
Schaukelstühlen auf der Veranda, in welchen nicht selten rüstige Kubaner,
mit Zigarre im Mund, dem Sonnenuntergang entgegensehen.
Mojitos und Salsamusik finden sich an jeder Straßenecke und man kommt mit den offenherzigen Einheimischen schnell ins Gespräch. Sie erzählen von den Besonderheiten ihres Landes, dem Mangel, aber auch dem Glück das sie umgibt. Sicher sind einige mit der politischen Situation, die ihnen so viele Einschränkungen von Freiheit, persönlicher Entfaltung und Selbstbestimmung auferlegt, unzufrieden. Doch sie wirken, als hätten sie
sich ganz gut damit zurechtgefunden. Dies rührt sicherlich auch daher,
dass sie es immer wieder schaffen, all die Regeln und Verbote mit einem
Augenzwinkern zu umgehen.In Viñales wollen wir ein Fahrrad leihen. Da es aber nirgends einen
Fahrradverleih gibt, sprechen wir einfach einen Einheimischen auf der
Straße an. Dieser zückt sein Handy, ruft einen Freund an und erklärt uns,
dass er alles organisiert. Wir sollen einfach mit zu seinem Haus kommen.
Dort angekommen unterhalten wir uns über Land und Leute bis wenig
später sein Freund mit zwei Fahrrädern um die Ecke biegt.Es wird ein Preis ausgehandelt und schon radeln wir los: zwischen den
markanten Hügeln von Viñales, den Mongotes, hindurch, vorbei an
Tabakfeldern auf denen Männer mit ihren Ochsengespannen die Felder
bearbeiten.

Am Ende des Tages bringen wir die Räder zurück zum Haus, bezahlen und
bedanken uns für die Hilfsbereitschaft.

So funktionieren in Kuba die Geschäfte. Die Menschen sind gut vernetzt
und helfen sich gegenseitig. Es heißt, viele arbeiten nur deshalb für
den Lohn von umgerechnet ca. 25 Euro im öffentlichen Dienst, da sie
dadurch ihr Netzwerk pflegen können, das ihnen hilft an vernünftige
Einnahmen zu kommen…

Und so kann alles was benötigt wird auch beschafft werden. Man frägt
einfach einen Bekannten, der dann jemanden kennt, der jemanden kennt,
der jemanden kennt, welcher die Lösung für das Problem hat.

Oder wie kürzlich ein Kubaner sagte: “Wir können alles machen, meist halt
nur etwas umständlicher.”

 

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