Havanna

Havanna ist keine Stadt – Havanna ist eine eigene Welt. Sie hat ihre
eignen Gesetzmäßigkeiten, Regeln und Vorschriften und ihre eigene Zeit.
Niemand wird je zum ersten Mal in diese Stadt kommen und sie verstehen.
Eher ist sie wie ein Labyrint der Mythen und Geschichten. Davon gibt es mehr
als am Malecon Steine liegen und Rußwolken der alten amerikanischen
Straßenkreuzer durch die Luft wabern. Viele Häuser der Stadt sind
Legenden. Sie haben Säulen aus Marmor, welcher geschlagen wurde, als
noch niemand von uns einen einzelnen Stein werfen konnte. Sie sind alt und
brüchig, die Farbe abgeplatzt, das Zugangstor rostig, Bäume wachsen aus
der Fassade, zerbrochene Fliesen liegen im Garten. Doch das macht sie
nicht tot, sondern lebendig! Diese Dinge erzählen ihre Geschichte, die
Geschichte Havannas, in welcher es um Tragik geht, um eine Revolution,
die Freiheit und Stabilität brachte, aber auch Mangel. Mangel an allem
und auch wenn viele Bewohner unter ihm leiden und die Tage vor dem Haus
auf der Straße verbringen, da es drinnen eng und dunkel, modrig und
stickig ist, haben sie aus der Not eine Tugend gemacht. Sie nutzen jede
Möglichkeit des Systems, um an die begehrten Devisen zu kommen. Und durch
dieses Handeln machen sie die Geschichte ihrer Stadt besonders. Durch die
Liebe zu ihren Oldtimern, die entspannte Art ihren Alltag zu meistern,
die Fähigkeit, Dinge in ihrem täglichen Bedarf zu nutzen, die wir als
unbrauchbar einstufen würden, durch ihre freundliche Leichtigkeit,
Fremde zu begrüßen.

Aus einer Bar an der Ecke klingen die Rythmen des Son, der musikalischen
Lebensader Kubas, als die untergehende Sonne zur Heimkehr einlädt.
Ratternd und klopfend fährt ein mit dickem grünen Lack bepinselter Buick
mit Taxischild vor, ich steige ein. Es ist wie in einer anderen Welt.
Die Stadt zieht an meinen Augen vorbei. Havanna, du lässt Dich nicht
beschreiben, noch lässt du von dir erzählen. Aber du verschenkst ein
Gefühl an alle die Dich besucht haben und das mehr Facetten hat als du
Gerüche. Es ist wie das Zerreiben von Sand in den Händen. Die Körner
rießeln langsam davon, doch das Kribbeln bleibt.

 

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