San – Buschmänner Afrikas

Staubkörner prasseln vom Wind aufgepeitscht auf meine Haut, ich spüre die heiße Sonne und höre das Zirpen der Grillen. Ich wache auf. Neben mir nichts als Steppe, flimmernde Luft, Dornbüsche und Staub. Keine Straße, kein Haus, keine Menschen weit und breit. Nur in der Ferne ein paar Antilopen. Mein Arm ist aufgeschürft, meine Kehle trocken. Mir wird klar, der Kampf ums überleben hat begonnen.

Plötzlich, am Horizont, schwarze Gestalten. Sekunde um Sekunde kommen sie näher. Bewaffnet mit Speer, Pfeil und Bogen. Es sind zwei Männer der San. Bekannt als Buschmänner Namibias, legendäre Fährtenleser und Überlebenskünstler. Geschickte Jäger und Urheber unzähliger Felsmalereien.

Hätte sich diese Geschichte tatsächlich so abgespielt und ich wäre benommen in der Wüste Afrikas erwacht, das Erscheinen der Eingeborenen wäre wohl meine Rettung gewesen.

Glücklicherweise ist dem nicht so. Etwas weniger gefährlich, aber keineswegs weniger spannend ist stattdessen der Besuch in einer Kulturschule der San.

Die zwei Fährtenleser nehmen uns mit in den Busch nahe Omandumba um uns ihre Fähigkeiten zu präsentieren. Malerisch leuchtet die Sonne auf die runden, orangefarbenen Felsen, welche aussehen als hätte sie jemand zu großen Murmeln geschliffen und architektonisch gekonnt aufeinander gestapelt. Wir folgen den zwei Buschmännern. Ihre Augen sind hellwach und ihre Schritte bedacht. Über die Jahrhunderte haben sie gelernt, mit den Bedrohungen umzugehen. Nashorn, Schlangen und Skorpione sind nur einige der Gefahren, welche auf sie lauern. Für die Buschmänner gibt es keinen Arzt und kein Krankenhaus, die Natur ist ihr Heiler und so erzählen sie uns von der Medizin der Bäume und Pflanzen und wie sie diese nutzen.

Auch wie man Nahrung für die Familie heranschafft, zeigen sie uns. So bauen sie im Schatten eines Baumes eine simple, aber effiziente Falle. Das Ende der langen und starken Sehne einer Giraffe wird unter Spannung an einem Strauch befestigt. Am anderen Ende wird eine Schlinge geformt und um kleine Stöckchen am Boden gelegt. In die Mitte kommen Beeren. Nähert sich ein Tier um die Beeren zu erhaschen, bewegt es eines der Stöckchen, die Schlinge zieht sich zusammen, schnellt nach oben und fängt das Tier.

Es ist faszinierend wie schnell sie die Falle aufstellen. Am Tage sind es bis zu 30, in gut einem Drittel wird sich ein Vogel oder einen Nager verfangen.

Auch die Bedeutung ihrer Höhlenmalereien werden uns erklärt, ebenso wie mit zwei Holzstöckchen Feuer gemacht wird, wie das Anpirschen und Jagen von Tieren funktioniert und wie sie aus dünnen Baumstämmen Köcher fertigen indem sie diese in glühender Kohle behandeln und anschließend aushöhlen.

Das Living Museum, welches von den San betrieben wird, um ihren Kinder die Kulturen und Fähigkeiten ihres Volkes weiterzubringen, schafft eine Win-win-Situation. Die San wurden im Zuge der Kolonialisierung ihrer Stammesgebiete uns somit auch der Möglichkeit, traditionell zu leben, beraubt. Doch wenn man sich mit diesen Menschen unterhält, wird klar, wie kostbar ihre Kultur ist und welch großer Verlust es wäre, wenn sie durch die modernen Lebensweisen irgendwann komplett erlischt. Durch das Living Museum können Finanzmittel geschaffen und die Kultur zumindest zum Teil erhalten werden.

Die unglaublich glücklich und sehr aktiv wirkenden Kinder im Dorf sind sofort mit vollem Elan dabei, als traditionelle Lieder gesungen werden. Sie klatschen und springen umher. Die Grundessenz für die Schönheit und den Wert ihrer Kultur haben sie im Blut. Trotzdem kommen sie natürlich durch die Besucher auch mit der modernen Welt in Kontakt. Ich zeige den Kindern die Fotos, die ich von ihnen schieße und sie sind begeistert, als sie ihre Brüder und Geschwister wiedererkennen. Die Globalisierung macht auch vor ihnen nicht Halt und so werden sich die meisten wohl im Teenageralter von der traditionellen Lebensweise verabschieden. Gut, wenn sie zuvor durch diese San-Schule mit ihr in Kontakt waren und später auf die Fähigkeiten zurückgreifen und sie an ihre Nachfahren weitergeben können.

 

 

 

 

 

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