Katutura – the less in Namibian life

Windhoek, die Hauptstadt Namibias, hat ca. 300 000 Einwohner, geschätzt die Hälfte davon lebt in Townships, so werden die Viertel genannt, in denen sich die ärmere, fast ausschließlich schwarze Bevölkerung durchs Leben kämpft.
Zeitdruck und mangelndes Interesse trägt leider oft nur die wirklich interessierten und aufgeschlossenen Besucher in diese Wohnviertel.

Während die inneren Stadtteile Windhoeks ein durchaus komfortables Residieren erlauben, sieht man auf den Straßen von Katutura was Wohnen auch bedeuten kann. Leben am Existenzminimum.

Auch die Größe der Armut lässt sich unterteilen, was hier schnell sichtbar wird. Die besser gestellten Bewohner verfügen über Steinbauten und elektronische Zäune, die weniger gut gestellten wohnen in Wellblechhütten, deren Bau um die hundert Euro kostet. Ohne Fenster, ohne fließend Wasser, die Gemeinschafstoillette teilt  man sich mit hunderten anderen Bewohnern. Ein leicht bedrückendes Gefühl stellt sich ein, wenn man diese Behausungen sieht.

Für viele in Katutura ist der soziale Aufstieg nur sehr schwer, wenn überhaupt möglich. Schulmöglichkeiten gibt es, doch Alkohol, fehlende Arbeitsplätze und sicher auch der fehlende Glaube an die eigenen Fähigkeiten hemmen die Bewohner.

Viele halten sich mit einem Gelegenheitsjob über Wasser. Es scheint als würden sie alle arbeiten wollen, denn es vergehen kaum zehn Meter Straße ohne einen kleinen Verkaufsstand.

Was auffällt, sind die vielen kleinen Kinder, die am Straßenrand mit Steinen und Müll spielen und auch, wenn sie glücklich wirken, schnell klar wird, dass ihnen bedingt durch die äußeren Umstände viele Dinge vorenthalten bleiben, welche Kinder in der westlichen Welt als völlig selbstverständlich ansehen._DSC9524

Trotz der Armut wirken die Bewohner freundlich und es bricht sogar ein wenig Euphorie aus, als wir ein Stofftier verschenken. Nur das kleine Mädchen das dieses Stofftier erhält ist etwas perplex. Es weiß im ersten Moment nicht was los ist. Sie ist es nicht gewohnt, dass ihr jemand etwas schenkt. Sie denkt sich “Was will diese weiße Frau von mir, was passiert hier?” Erst als ihr älterer Bruder sie ermuntert, das kleine weiße Schäfchen zu nehmen, greift sie zu. Isaak, unser Führer, der uns auf die Tour durch das Viertel mitgenommen hat in welchem er früher selbst lebte, erklärt uns, dass es hier nie vorkommt, dass eine weiße Frau aus dem Auto steigt und über die Straße läuft um einem Kind ein Stofftier zu schenken.
Als wir wieder einsteigen – “Thumbs up” von den Jungs am Straßenrand. Sie lachen. Ein kleiner Hoffnungsfunke, dass Barrieren, welche durch unsere Vorurteile und die verschiedenen Hautfarben geschaffen wurden, überwunden werden können.

So manches dieser Kinder wird es zu einem eigenen Auto, einem Beruf, einem Häuschen bringen. Viele jedoch nicht. Auch klar sein muss uns, dass es diese Armut ist, die Flüchtlingsströme provoziert und die westliche Welt durch die Ausbeutung afrikanischer Länder ihren Teil dazu beiträgt und beigeragen hat. Dies muss jedem einleuchten, der sich mit der wirtschaftlichen Historie und der derzeitigen Situation Afrikas auseinandersetzt.


Nach drei Stunden verlassen wir Katutura wieder, im Bewusstsein, dass wir die Dinge schätzen sollten, die uns gegeben sind und wir, auch wenn wir hart für unseren Lebensstandard arbeiten, doch ein wenig Glück hatten, mit den Möglichkeiten, mit denen wir in diese Welt geboren wurden.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s