On the road again…

Der junge namibische Künstler Ees, der seine Musik auch in Deutschland vermarkten wollte, reiste nach Europa um sich dort bei einer Plattenfirma vorzustellen. Nachdem der weiße Sohn deutscher Einwanderer, wessen Musik sich wie eine Kombi aus Rap, Pop und Reggea anhört und sprachlich aus Deutsch, Englisch, Afrikaans und Herero besteht, seine Klänge zum Besten gab waren die Marketing-Spezialisten offenbar beeindruckt. Sie fragten Ees wo denn die Schwarzen jetzt sind, die diese Musik machen. Die Musikproduzenten konnten sich nicht vorstellen, dass es einen weißen Afrikaner gibt, der Deutsch spricht und eine Art Deutsch-Afrikanischen Pop kreiert.

Als ich das ließ, wurde mir klar, wie klein unser Horizont doch so manches Mal ist. Natürlich sei es jedem verziehen, der den kulturgeschichtlichen Hintergrund Namibias nicht kennt, dem entgangen ist, dass Namibia, vormals Südwestafrika von 1884 bis 1915 eine ehemalige deutsche Kolonie war.

Tatsächlich gibt es jedoch noch meherere tausend deutschsprachige Menschen in Namibia, welche diesem Wüstenland ein heimatliches Flair einhauchen. Rühmlich war die deutsche Besetzung, wie die meisten der Kolonialisierungsversuche nicht. Kürzlich hat Deutschland den Völkermord an den Herero anerkannt, bei welchem damals ca. 85 000 Menschen ermordet wurden. Vor ein paar Jahren noch, gab es in München eine große Debatte zwecks der Umbenennung von Straßennamen, welche eine koloniale Vergangenheit haben. Die Von-Trotha-Straße wurde beispielsweise in Hererostraße umbenannt um mit General von Trotha niemanden zu ehren, der für den Völkermord verantwortlich gemacht wurde.

Die Wiedergutmachung erfolgt durch großzügige Entwicklungshilfe, welche in Namibia gut gebraucht werden kann, denn noch immer gibt es massive wirtschaftliche Probleme. Schön ist hingegen, dass ich während meiner vorbereitenden Recherchen auch viele positive Eindrücke gewinnen konnte. So geht es beispielsweise recht friedlich zu, in einem Land, bei dem man durch die 11 verschiedenen Stammesgruppen durchaus in ein kulturelles Kaleidoskop blickt. Entführungen und Anschläge sind Fremdwörter für die Namibianer. Kriminalität ist – auch den nur 2 Millionen Einwohnern geschuldet – für afrikanische Verhältnisse eher gering.

Den Tier- und Umweltschutz hat man als im wirtschaftlichen Sinne als nützlich erkannt und es entstanden in den letzten Jahren viele nachhaltige Projekte.

Und schon schweifen die Gedanken ab und widmen sich den Bildern der bevorstehenden Reise. Sie greifen nach den Eindrücken, nach der Sehnsucht die Füße in den roten Sand der Namib zu stecken, ihre hohen Sanddünen hinaufzuwandern und nichts als kilometerweiten, feinen Staub zu erblicken. Sie wecken Vorfreude auf die unheimlich artenreiche Tierwelt, auf die Nilpferde, die Elefanten, die Giraffen, Nashörner, der kleinsten Antilope der Welt, die nur wenig größer ist als ein Hase und sich Dikdik nennt aber natürlich auch den endlosen Weiten, der Etosha-Pfanne, dem grünen Waterberg mit seinen Dinosaurierspuren…

In wenigen Tagen geht es los. Und wie vor jeder Reise steht auch hier die Frage, was die Zeit wohl bringen wird, wenn sie plötzlich in einem anderen Takt schlägt, wie der Himmel wohl leuchten wird, die Luft riechen, welche Geschmacksexplosionen das Essen bereithalten wird.

Ees meinte, dass die Namibianer sich gegenseitig nie fragen wie das Wetter wird. Warum auch, es scheint sowieso jeden Tag die Sonne. Und falls es mal fünfzehn Minuten regnen sollte – dann wird nach draußen gehüpft und ab geht der Regentanz.

Wenn das mal keine guten Aussichten sind…

 

 

Ein bisschen namibianisches Flair gefällig?

Wer bei Ees mal reinhören und nebenbei einen kleinen Eindruck von Namibia erhalten will, hier ist ein Song von ihm:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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