D´Leich vom Königssee

Umgeben von hohen, grünen Laub- und Nadelbäumen, steilen Felswänden und umrahmt von prächtigem Alpenpanorama – der Königssee. Wer einmal dort war, wird seine Einzigartigkeit nie wieder vergessen. Wie ein Fjord zieht er sich zwischen den Bergen hindurch bis nach St. Bartolomä. Ganz ruhig liegt er da, begrüßt am Abend die Wolken, wenn sie sich sanft wie ein Tuch aus weicher Seide über seine spiegelnde Oberfläche legen und verabschiedet sie am Morgen, wenn sie sich erheben, um über die Berge hinfort zu schweben und der Sonne Platz zu machen.  Den See umgibt seit je her etwas mystisches. Vielleicht liegt es auch daran, dass er so tief und schwer zugänglich ist. Nur mit dem Boot lässt er sich wirklich gut erkunden. Ein Hauch von Romantik schwebt dann über die Wasseroberfläche, wenn er seine kleinen Wellen geduldig in Richtung Ufer schickt und der Flügelhornspieler das Echo des Berges herausfordert. Dann wirkt alles friedlich und im Einklang mit der Natur.

Doch wenn die letzten Sonnenstrahlen hinter den Bergen verschwinden und der Nebel aufzieht erzählen sich die Einheimischen Geschichten von der “Leich”, wie sie sagen. Denn vor langer Zeit spielte sich an diesem malerischen Fleckchen eine tragische Geschichte ab.DSC_5934

Ungefähr alle zehn Jahre, wenn das Wetter mitspielt und die Temperaturen über längere Zeit unter dem Gefrierpunkt bleiben, dann bildet sich eine mehrere Zentimeter dicke Eisschicht auf dem Gewässer und man kann trockenen Fußes in den letzten Winkel Bayerns laufen. Vermutlich einer der malerischsten Winterspaziergänge, welche man im Voralpenland genießen kann.

Doch damals, in jener eisigen Winternacht 1964 befuhr ein mutiger Mann den zugefrorenen See trotz Verbot mit seinem VW Käfer. Ein wenig Pech kam hinzu, vielleicht auch das ein oder andere Bier, so genau weiß man es heutzutage nicht mehr. Jedenfalls führten am nächsten Tag Reifenspuren im Schnee in Richtung Westufer und verschwanden dort an einer eisfreien Stelle. Vermutlich kam der Fahrer bei schlechter Sicht vom Weg ab und fuhr geradeaus ins Verderben. Taucher konnten nie so weit in den 190 Meter tiefen See vordringen und so fand erst im Jahr 1998 ein bemanntes U-Boot den VW-Käfer, gut erhalten im sauerstoffarmen Wasser, am Grunde des Sees. Auch die “Leich” fand er, denn die Familie entschied zu einem späteren Zeitpunkt, an dem die Bergung möglich gewesen wäre, die Totenruhe ihres Angehörigen nicht mehr zu stören und ihn für immer dort verweilen zu lassen.

Zuletzt bedeckte im Jahre 2006 eine Eisschicht den See. Vielleicht ist es nächstes Jahr wieder so weit, dass sich so mancher auf die Wanderung nach St. Bartolomä begeben kann.

Und die “Leich vom Königssee”, soll sie eine Warnung sein, für all jene mutigen Männer und Frauen, die das Eis und die Gefahr nur allzu leichtfertig unterschätzen… Was der See verschluckt hat, das gibt er so schnell nicht wieder her…

 

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One thought on “D´Leich vom Königssee

  1. ja hallo, wo hast dich den  wieder rumgetrieben. glg u ein schönes WE  von uns  
    Gesendet: Samstag, 16. Januar 2016 um 22:04 Uhr Von: morEndless <comment-reply@wordpress.com> An: renatehaubner@gmx.net Betreff: [New post] D´Leich vom Königssee
    morendless.wordpress.com posted: "Umgeben von hohen, grünen Laub- und Nadelbäumen, steilen Felswänden und umrahmt von prächtigem Alpenpanorama – der Königssee. Wer einmal dort war, wird seine Einzigartigkeit nie wieder vergessen. Wie ein Fjord zieht er sich zwischen den Bergen hindurch bi"

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