New York – Highline Park

New York – Highline Park

New York 1850.

Dampf steigt auf in Lower Manhattan. Die Luft riecht nach Öl und Staub, die Menschen verhüllen ihr Gesicht mit Tüchern. Reges Treiben prägt die Kulisse. Kisten werden entladen, Kessel befüllt. Um gefährliche Fracht durch die Stadt zu transportieren und Unfälle zu vermeiden wurde eine Hochbahn für Güterzüge gebaut. Dort schleichen lange, schwarze Wagons entlang, hoch über dem quirligen Treiben der schlammigen Straßen New Yorks.

Auf einem kurvenreichen Weg züngelt sich die Hochbahn von der Mitte Manhattans bis hinunter zur 13th Street. Immer nur ein paar Blocks weit vom Hudson River entfernt. Haarscharf vorbei an Fabrikgebäuden, Wohnhäusern und Türmen. Hinweg über Menschen und Maschinen, Straßen und Gärten. Fast schon romantisch wie die Lok über die Köpfe der Menschen hinweggleitet. Abseits vom Trubel der Straßen, dem Himmel ein wenig näher und mit dem Empire State Building als ständigen Begleiter an der Ostseite.

Und so dient diese Strecke einige Jahrzehnte dem wirtschaftlichen Aufschwung New Yorks.

Vor Jahren wurde sie dann stillgelegt. Pflanzen überwucherten die kerbigen Holzbretter zwischen den Schienen und Rost überzog das dunkle Metall.

Die Bahnstrecke blieb ein unentdecktes Juwel. Jahrelang lag sie als stiller Zeuge postmoderner Ingenieurskunst in der Stadt. Bis dann vor ein paar Jahren eine Idee die Runde machte, aus der Strecke einen Park zu formen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Langsamen Schrittes marschiere ich mit aufmerksamen Blick in Richtung One-World-Trace-Center. Der anregend gestaltete Weg verbindet die Geschichte der Strecke mit unzähligen Sitzgelegenheiten und einem packenden Ausblick. Man kann die Stadt fühlen. Dabei ist der ursprüngliche Charakter nie verloren gegangen. An einigen Stellen spaziert man über die Bahnschwellen, an anderen sind sie noch in ihrer ursprünglichen Form erhalten.

Vorbei an alten Backsteingebäuden blicke ich hinab auf die mit den gelben Taxis bepackten Straßen, lasse mich treiben vom Eindruck dieser Stadt.

Und während ich so auf halber Höhe die Trasse entlang marschiere bekomme ich einen neuen Blick auf die Metropole. Fast fühlt es sich an als wäre man der Stadt erhaben, wie ein Reiter hoch zu Ross, der hinunter blickt auf die aufregenden Szenen, die ihn hierher gelockt haben. Von oben betrachtet wirkt alles ein wenig abstrakt und so spüre ich nicht nur einmal die Lust darauf einfach stehen zu bleiben und die bunte Mischung der Häuser und Eindrücke auf mich wirken zu lassen.

Wäre New York eine alte Dame, so wäre dieser Pfad der Weg durch ihr abwechslungsreich gestaltetes Wohnzimmer. Wie auf einem Seidenteppich, ohne die Stadt als solche zu berühren, ohne etwas zu verändern, ohne die Chance in einen der Läden zu betreten und ohne von einer Ampel am Weitergehen gehindert zu werden schreite ich entlang.

Manhattan zeigt sich hier von seiner spannendsten Seite. Das Mosaik aus Altem und Neuem, aus Gigantismus und historischem Detail, aus Minimalismus und Street Art, gefolgt von einem Hauch Entspannung. Hunderte Male könnte ich hier entlang schlendern – jedes Mal würde ich Neues entdecken.

Eine Holzbank lädt mich ein über der 10th Avenue Platz zu nehmen. Mir wird klar, es ist kein Park, es ist ein Museum. Ein Museum das sich ständig verändert. Lebendig, prickelnd, einmalig.

High-Line-Park, New York.

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