Santa Catalina und die Bekanntschaft mit ein paar Haien

Santa Catalina – Panama

 

Wenn ein Urlaubsort keinen Bankautomaten hat, dann ist das ein gutes Zeichen. Noch besser wenn zu diesem Ort keine Direktbusverbindung führt. Denn dann ist dieser Ort in der Regel auch nicht mit Touristenmassen überlaufen.

Und so finde ich mich zusammen mit einheimischen Bauern und deren Reis- und Mehlsäcken im lokalen Linienbus von Sona nach Santa Catalina wieder. Untermalt wird die kurvenreiche Fahrt von lateinamerikanischer Folklore und dem gefiepse unzähliger Küken, welche aufgeregt auf Sitz 31 Platz genommen haben. Wir fahren vorbei an von ausgedörrtem Gras bewachsenen Feldern, und langen Baumreihen. Entlang der hügeligen Weidelandschaft reiten Bauern auf ihren Pferden zu ihren Viehherden hinaus. Die Hütten am Straßenrand erzählen von einem ärmlichen Leben, die bunt bemalten Bushaltestellen von einem glücklichen. DSC03098

Santa Catalina selbst wirkt unspektakulär. Schon zuvor haben ihn Reisende so beschrieben: “Es gibt dort 300 Locals und 100 Touristen”. Ein paar mehr werden es wohl sein doch nichts desto trotz habe ich den Eindruck, dass es ein sehr verschlafenes Nest ist. Der Rand der panamerikanischen Zivilisation, so erweckt diese ländliche Gegend den Eindruck auf mich.

Kaum ausgestiegen entdecke ich den ersten Betrunkenen. Es wird nicht der letzte sein, welcher uns auf einer der verlassenen Straßen entgegenkommt und in Schlangenlinien marschierend die Straße blockiert. Man könnte nun meinen hier am Ende der Welt kann man nichts anderes tun als sich zu besaufen, doch das ist nicht ganz richtig. Aber dazu später.

Wellentechnisch befinden wir uns leider in der Nebensaison und so wird sich der Mythos von dem Surfmekka Panamas für uns nicht gänzlich erfüllen. Stattdessen bringt uns am nächsten Tag ein Boot zur Insel Coiba. Die größte Insel Zentralamerikas ist zugleich das Hauptquartier des dortigen maritimen Nationalparks zu welchem auch viele kleine Inselketten gehören. Bis vor einigen Jahren noch als Gefängnisinsel benutzt blieb dieses Naturparadies lange Zeit unangetastet. Die Medien sprechen vom “Galapagos” Mittelamerikas.

Ziel unseres Ausfluges sind die vorgelagerten Riffe, welche uns eine große Anzahl bunter Fische und anderer Tiere versprechen. Schon auf der Anfahrt merkt man, dass hier ein kommerzielles Fangverbot besteht. Unzählige Male sehen wir Fischschwärme neben unserem Boot aus dem Wasser springen und alleine bei der einstündigen Überfahrt auf Coiba sichten wir vier mal Delfine. Majestätisch katapultieren sie sich aus dem Wasser. Ein Raunen geht durch das Boot.

Die Schnorchelspots erweisen sich wahrhaftig als paradiesisch. Es fühlt sich an als würde man durch ein riesiges Aquarium schnorcheln. Immer begleitet von bunt leuchtenden Meeresbewohnern. Andy sieht sogar eine Meeresschildkröte welche seiner präzisen Schätzung nach mindestens so groß war wie ein Klodeckel. Was mich daran erinnert, dass es leider auch Strände gibt, an denen es wahrscheinlicher ist, einen Klodeckel durchs Meer schwimmen zu sehen als eine Schildkröte. Gut, dass dies hier nicht so ist.DSC02760

In Coiba lebena auch Walhaie welche zwar als Pflanzenfresser absolut ungefährlich sind, jedoch bis zu 12 Meter lang werden können. Ein spektakulärer Anblick welcher uns leider verwehrt bleibt.

Stattdessen finde ich mich inmitten türkiesem Wasser an einer ca. 5 Meter tiefen Stelle wieder, bei welcher mir die Szenerie den Atem raubt. Sechs Riffhaie liegen in Sichtweite am Meeresgrund. Aufgereiht wie eine Gruppe maritimer Unterwassersoldaten warten sie auf Seebarsch, Red Snapper oder vielleicht auch auf einen deutschen Touristen als Zwischenmahlzeit.

Fasziniert und zugleich respekterfüllt, schwebe ich direkt über ihren Köpfen hinweg. Die Art wie diese schlanken Raubtiere ruhig am Meeresgrund liegen lässt mich nicht los. Die Spannung lässt mein Herz schneller schlagen. Der größte Hai aus der Gruppe hat geschätzt gute zwei Meter und auch wenn sie einem in der Regel nicht gefährlich werden, sechs an der Zahl sind durchaus furchteinflößend.

Ich weiß nicht wie lange ich dort verweile aber es müssen ein paar Minuten sein. Als sich zwei der Haie plötzlich bewegen und einer von ihnen in höhere Wasserschichten steigt, sehe ich mich um und – keiner der anderen Schnorchler ist mehr da. Ich blicke zurück und plötzlich sind auch die zwei Haie aus der Gruppe im dunkel des Meeres verschwunden.

Je nach Planktondichte ist die Sicht teilweise recht gering, da kann man so einen angreifenden Hai schon mal recht spät entdecken. Das bringt mich ins Grübeln und vorsichtshalber lege ich den Rückwärtsgang ein um zur Gruppe aufzuchließen. Insgeheim ist man dann doch froh wenn noch ein paar andere Touristen ihren Schinken als delikate Alternative durchs Korallenriff paddeln.

 

Geblutet hat es letztendlich nicht, aber gekribbelt, das hat es.

 

 

DSC03084 DSC03069 DSC03089DSC03078

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s