Vamos a la playa

Südnicaragua ist an der Küste im März sehr trocken. Nur wenige Bäume tragen Blätter. Etwas weiter im Landesinneren, wo der Lago Nicaragua das Land mit Süßwasser speist, findet man jedoch sehr üppige Vegatation.

Chinesische Investoren haben dort den Bau des Nicaragua-Kanals angestoßen. Er soll ähnlich wie der Panama-Kanal den Pazifik mit dem Atlantik verbinden. Baukosten 40 Milliarden, Länge ca. 300 km, Breite bis zu 530 Meter.

Laut Kritikern werden dabei 400 000 Hektar Regenwald und Feuchtgebiete zerstört. Und natürlich lässt sich kaum vermeiden, dass die riesigen Containerschiffe Salzwasser, Öl und Tiere sowie Krankheiten in das riesige Süßwasserreservoir, den Lago Nicaragua (der Chiemsee ist ein Teich dagegen) einschleppen. Wenn man mit den Menschen dort spricht, dann sind sich meiner Meinung nach nur die wenigsten im Klaren darüber mit welchem Preis sie sich dieses Projekt erkaufen. Aber wie soll jemand, der in Deutschland lebt, einem Land in dem jeder eine gute Ausbildung erlangen kann, einen Job und ein Auto hat, einem armen Nica erklären, dass man die Natur der Wirtschaft wegen nicht zerstören darf.
Fraglich bleibt weiterhin was der armen Landbevölkerung von den Milliardengewinnen am Ende bleibt, die Zersörung bzw. die negativen Auswirkungen auf deren Habitat sind dagegen  sicher.

Und dabei ist die Landschaft so schön. Ebenso die Strände. Playa Hermosa beispielsweise. An dem drei Kilometer langem und sehr breiten Strand befindet sich nur ein einziges Resort. Eine Eco-Lodge mit unzähligen schattigen Plätzen, vielen Hängematten, wunderbar leckerem Essen und wunderschönen Wellen.

Es ist unwirklich, man liegt in der Hängematte, liest ein Buch und die Geschichte darin bringt einem in Gedanken ganz weit weg. Und plötzlich schaut man hoch, und blickt auf diesen unglaublich langgezogenen breiten Strand, die großen Felsen im Wasser, die Wellen welche malerisch langsam in beide Seiten wegbrechen, das schäumende Wasser welches scheint als spiegeln sich Geschichten darin. In diesem Moment fällt es einem schwer zu entscheiden, ob nun die Gedankenwelt in die man durch das Buch eingetaucht ist, surreal erscheint oder das Dasein an diesem Strand. Es ist sicher keiner dieser karibischen Traumstrände mit den vielen Palmen und dem türkisem Wasser, doch die scheinbare Abwesenheit der Zivilisation an diesem Ort und die Macht der Wellen verleiht ihm seinen überwältigen Robinson-Cruso-Eindruck.

Hotel Estrella
Zeit ist in San Juan nicht relativ, sie ist rasant und kaum hat man sein Buch zugeklappt, findet man sich schon wieder zurück im Hotel Estrella, San Juan del Sur, erbaut 1929 und offensichtlich seitdem nicht renoviert. Die Balkone und die Fensterläden des weißen Hauses sind blau gestrichen und heben sich freudig ab, von diesem wunderschönen Kolonialhaus. Jeder Quadratzentimeter ist unique, jeder Riss, jedes Stückchen Fassade erzählt eine eigene Geschichte, die Holztreppe ist so durchgetreten, sie muss tausende, nein, Millionen von Fußtritten erlebt haben.

Könnte dieses Hotel Geschichten erzählen, es würde von den Wellen sprechen, welches es tagtäglich begrüßen, die Palmen, welche ihre Blätter im Wind in Richtung Meer wiegen, fast so als wäre der Horizont nicht zu weit um eines Tages dorthin zu wachsen. Es würde die Geschichte von den Menschen erzählen, die es tagein, tagaus besucht hatten, von den schönen Tagen als es erbaut wurde, als es noch ein Glanzstück war, in der langgestreckten Bucht von San Juan del Sur. Menschen die hier gelacht, geweint, geliebt haben. Von der Anwesenheit spanischer Inquisitadoren bis hin zu den US-Marines.
Es würde erzählen von den stetigen Winden welche tagein tagaus die Fassade entlang streifen. Von dem Lachen der Menschen in den Zimmern, das hinaus auf den Strand schallt.

Es hat so viel erlebt und wenn man einige Nächte hier verbracht hat, dann ist es nicht mehr notwendig, die Geschichten erzählt zu bekommen, denn dann werden sie sichtbar. In den knarzigen Holzdielen welche jeden Schritt begleiten, in deren Astlöchern, durch die man einen Stock nach unten in das Foyer blicken kann, in den Schaukelstühlen aus antikem Holz, welche noch immer tadellos ihren Dienst verrichten, in den Lotteriescheinen aus dem anfänglichen 19. Jahrhundert, welche in einer Vitrine zur Schau stehen.

Und es wird noch viele Geschichten hören und erleben, noch ist Nicaragua ein Land für Backpacker und Abenteuerlustige. Doch schon bald wird es sich zu einem Reiseland für jeden entwickeln. Der Kanal wird die Wirtschaft, den Tourismus und die Leute verändern und mit ihm auch dieses Hotel.
Seine besten Tage mag es hinter sich haben, doch seinen Charme hat es dabei nie verloren.

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