Sie experimentierten…

Unsere Vorfahren experimentierten mit der Natur. Schon seit Jahrhunderten. Sie änderten Temperatur, Zusammensetzung, Herstellungsdauer, Zeit, Größe, Gewicht, Aussehen, Form –  in Nuancen. Mit viel Bauchgefühl. Seit Jahrhunderten experimentieren sie. Und die Jahrzehnte lange Hingabe hat Dinge hervorgebracht, die der Perfektion gleich kommen. Delikatessen, Gaumenfreuden, Festtagsessen.

Sie verwenden für unsere Grundnahrungsmittel schon immer die gleichen Herstellungsweisen. Seit Jahrhunderten.

Und wir – unsere Generation – schafft es, den Wert dieses Schatzes innerhalb weniger Jahre zu Staub zu zermahlen. Wir verwenden Kunstsauerteig für unser Brot, erfinden Analogkäse aus Milcheiweiß und Zusatzstoffen und den Schinken kleben wir mit Transglutaminase zusammen.

Warum? Weil es im Regal ein paar Prozent weniger kostet schütten wir lieber ein paar Tropfen aus dem Reagenzglas in unser Essen als die Arbeit eines Menschen zu würdigen, der frühmorgens nur für uns aufsteht um uns etwas Erstklassiges zuzubereiten.

Wir alle essen gerne kostenlos. Doch essen wir auch gerne umsonst? Ist Essen nur Überleben oder ist essen Erleben? Ist die Zeit die wir mit dem Essen verbringen verlorene Zeit oder könnte jeder Biss ein Stück erholsame Zeit in unseren gestressten Alltag bringen?

Wer die Alltagsausrede “Es gibt ja schon nichts anderes mehr als chemikalisch aufgerüstetes Wunderessen!“, benutzt, liegt nur nahe an der Wahrheit. “Es wird bald nichts mehr anderes geben!”, trifft sie auf den Punkt. Wir müssen über unseren eigenen Schatten springen. Nicht nur als Verbraucher sondern auch als der Student, der in einigen Jahren als Führungsperson in der Lebensmittelindustrie arbeitet, als Elternteil, das ihr Kind am Drive In bestellen lässt, wo ihm die Stimme aus dem Lautsprecher die traditionellen Werte über unser Essen erklärt, als Freund, der seinen Begleiter überredet, den Fabrikbäcker links liegen zu lassen und einen Umweg zum Familienbetrieb mit eigener Herstellung zu machen, als Kantinenwirt, der jeden Tag für 1500 Menschen das Mittagessen zubereitet.

Wenn wir das Förderband weiterhin laufen lassen und unsere Lebensmittel nicht beim Handwerk kaufen sondern des Preises wegen NUR in der Fabrik vom Band kratzen, werden auch noch die letzten richtigen Bäcker ihren Laden schließen, die kleinen Käsereien von der Industrie aufgekauft und zu Massenfertigung erzogen und die übrig gebliebenen Metzgereien ihre Eigenschlachtung aufgeben müssen.

Es liegt wiedereinmal an uns zu handeln. Nicht nur heute. Sondern jeden Tag.

Essen ist eine Einstellung, ein Lebensgefühl, ein Handwerk, eine Kunst! Kein, sich aufdrängendes, schnell und billig zu stillendes Bedürfnis.

Wir müssen keine alleshinterfragenden Übermenschen werden, die jede Kaufentscheidung wissenschaftlich nachvollziehen wollen.

Wir müssen nicht alle Verfechter von 100% Bio werden oder Selbsterzeuger, Veganer, oder Frutarier. Doch ein bisschen Weitblick und Vernunft dürften wir von uns erwarten. Beim Einkauf, im Restaurant, in der Küche.

Denn es kommt nicht von ungefähr.

Das gute Gefühl im Bauch!

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2 thoughts on “Sie experimentierten…

  1. Konnte nur die ersten Sekunden ansehen, mehr geht nicht. Kenne aber den Hintergrund. Traurig, tue aber aber was im Gegensatz zu vielen anderen. Ich verschließe nicht meine Augen, kann es aber nicht ertragen. . . . .

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