Die Nasenaffen und ihre Verwandten

Manchmal erschafft die Natur seltsame Geschöpfe. Tiere beispielsweise. Wir sind auf der Suche nach einer Spezies in den Wäldern von Kinabantangan. Nasenaffen – mit Riechkolben, so groß wie Essiggurken. Im Palmenrestaurant direkt am Fluß gelegen warten wir auf den Bootsmann, der mit uns in die schmalen Kanäle fahren wird, die Zufahrtswege in den Regenwald.

DSC01592Ein paar Minuten später sind wir unterwegs. Eine Vielzahl grüner Pflanzen begrenzt den Fluss zu beiden Seiten. Zwischen den Büschen am Ufer kann man auf Stelzen gebaute Häuser entdecken. Vögel wie der edel anmutende Eisvogel (Kingfisher) oder der extravagante Hornvogel (Hornbill) dekorieren den Himmel mit exotischen Farben. Unser Tourguide macht einen guten Job und entdeckt eine grüne Viper, die perfekt getarnt auf einem Ast am Ufer auf Beute wartet. Der Fahrer reduziert die Geschwindigkeit und wir biegen in einen der schmalen Kanäle ein. Vor uns bewegen sich die Äste. Das müssen größere Tiere sein. Wir fahren näher ran und sehen mehr und mehr von ihnen. Makaken. Diese Art findet man hier häufig. Aufgeweckte kleine Äffchen die ohne zu Zögern von einem Ast zum nächsten springen. Dabei stoßen sie schrille Rufe aus und schlagen sich auch mal gegenseitig wenn es die Erziehung erfordert. DSC01819Kurz danach entdecken wir ein Highlight. Einen wild lebenden Orang Utan (siehe Gallerie), der auf den richtigen Zeitpunkt wartet um den Kanal zu überqueren. Die Aufregung im Boot steigt, Spiegelreflexkameras klicken. Erfreut über die Entdeckung gleitet unser Boot tiefer in den Urwald. Und dann, nach ein paar Minuten konzentriertem Suchens sehen wir sie:
Die erste große Nase. Gefolgt von einem starken Nacken und einer muskulösen Schulter kommt schließlich – ein Bauch wie ein Bierfass. Das muss der Chef der Nasenaffenbande sein. Sitzt oben auf seiner gemütlichen „Ast-Couch“ und beobachtet seine Mitarbeiter. Alles Frauen.

Ungefähr 20-25. Unmöglich sie zu zählen, denn drei springen links, zwei schwingen nach rechts, vier kraxeln hoch und eine hüpft diagonal ins Nirgendwo. Das ist Äffchen Speedclimbing in drei Dimensionen.
Interessiert betrachte ich die große Nase des Häuptlings und sie erinnert mich an ein dutzend Bekannter. Dieser Affe ist die 100 %ige Kopie “moderner” Menschen. Er imitiert sie. Und darin ist er Perfektionist.

Er sitzt auf seinem Ast – genauso entspannt wie manche Menschen vor dem Fernseher. Sein Blick ist gelangweilt, genau so als würde er vor dem Fernseher sitzen und dann kaut er noch auf einem Stück Bambus herum – als würde er vor dem Fernseher sitzen. Die Packung Chips würde gerade noch fehlen.DSC01799
Vor allem aber ist er relaxed. Sein langer weißer Schwanz stabilisiert ihn nach hinten und sein dicker Bauch nach vorne. Umkippen unmöglich und das machst selbst den härtesten Ast zu einem bequemen Sessel.
Bei so viel Aufregung geht der Tag schnell zu Ende. Aber es wird nicht lange dauern, dann geht der Vorhang der Manege wieder auf und die Vorstellung beginnt von Neuem.

Für uns waren es aufregende Stunden – für den Chef der Nasenaffen war es nur wie ein Tag vor dem Fernseher.

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