Borneo und die Palme

Von der Megacity Singapur nach Borneo. Bäume, Sträucher, Farne und Palmen soweit das Auge blicken kann. Die Natur spaltet die Farbe grün in tausende Nuancen. Wir befinden uns auf der malaysischen Seite Borneos nahe des Mount Kinabalu. Der sich in einem Nationalpark befindende Berg ist mit 4095 Metern der höchste in Malaysia. Wir steigen an der Landstraße aus dem Minibus und setzen unseren Weg zu Fuß zur Mountain Lodge fort. Rechts und links von uns eine Mauer aus Pflanzen. Die Geräusche des DSC01704Regenwaldes begleiten uns, die Natur spielt ihr Konzert, tropische Tiermusik vom Allerfeinsten. Überall um uns herum gluckst, pfeift und summt es. Alles lebt! Man sieht die Tiere nicht, aber man weiß sie sind da. Die mitten im Urwald gelegene Lodge beherbergt uns kurze Zeit, dann geht es wetterbedingt weiter in Richtung Sandakan. Das Tet-Fest beschert uns ausgebuchte Transportmittel und so finden wir uns als Tramper im Minibus eines barmherzigen Klimaanlagenverkäufers wieder. Auf unserem Weg, rechts und links der Straße, weiterhin begleitet von intaktem Regenwald. Keiner von uns hat die Veränderung erwartet, die uns einen Augenaufschlag später widerfährt. Wir sind geschockt.

Die zerstörerische Kraft der Menschen enthüllt plötzlich ihr wahres Gesicht. Kilometerweit. Vom Straßenrand bis zum letzten Hügel, nur eine Palme. Elaeis guineensis. Die Ölpalme. Und diese tausendfach. Stramm in Reih und Glied ragen ihre Stämme aus dem Boden wie Klone. Borneo, als Toilette dieser Erde von vorne bis hinten mit der gleichen Fliese beklebt. Wer nicht weiß, was Monokultur bedeutet, kann hier darüber promovieren. Der Schaden für die Natur ist gewaltig. Man kann nicht von Schaden sprechen, denn das Wort Schaden hinterlässt den Eindruck, dass noch etwas Intaktes besteht, das beschädigt wurde. Aber hier ist nichts mehr intakt. Die Natur ist tot. Es ist ein Desaster. Die Stämme der Palmen sind mit Farnen bewachsen und auch zwischen ihnen gedeiht nichts anderes. Was von der Millionenfachen Artenwelt Borneos überlebt hat sind Schlangen und Ratten. Mittlerweile eine Plage. Hier gab es auch mal Orang Utans, Nasenaffen und zig anderer Tiere, aber das ist lange her.

Große Lastwagen transportieren die Palmölfrüchte zur Weiterverarbeitung in die Fabriken. Der Rohstoff ist unglaublich vielseitig und findet unter anderem in Lebensmitteln und Kosmetik Verwendung. Am Einsatz als Biosprit wird geforscht. Schlechte Aussichten für die Natur.

Staunend setzen wir unseren Weg fort. Mit der Hoffnung, in einem der Naturschutzgebiete die Welt so zu erleben wie sie die Millionen Jahre zuvor war – bevor die Menschen kamen.

DSC01702

(Die Frucht der Öl-Palme)

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