Mui Ne

Mui Ne. Ein ehemals kleines Fischerdorf auf dem Weg von Hoi An nach Saigon. Der Tourismus der letzten Jahre sorgte für unzählige Hotelanlagen, Restaurants und Bars. Und am gesamten Küstenabschnitt wird weiter gebaut. Dennoch hat die Stadt bis jetzt einen gewissen Charme beibehalten. Im HafenDSC01266 liegen kleine Fischerboote vor Anker und entlang des Strandes sind unzählige, nussschalenartige Boote, gerade groß genug für ein oder zwei Personen und ein paar Netze, aufgereiht. Das aus geflechteten Palmblättern hergestellte Bötchen steuern sie mit nur einem Paddel.
Die traditionelle Fischerei hat viele Vorteile für die Touristen. Kurz nach Sonnenuntergang werden die Kohlen befeuert und an der Beachroad öffnet mehr als ein dutzend kleiner, offener Lokale. Vor diesen befinden sich Aquarien, in denen die noch lebenden Muscheln, Krebse, Hummer, Schildkröten, Frösche und Fische ihre Kreise ziehen. Man kann das gewünschte Stück auswählen und es wird frisch zubereitet. Nebenan röstet ein Krokodil am Spieß vor sich hin. Was für westliche Touristen wie ein exotisches Spanferkel wirkt, gehört hier zur Standardverkostung.

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Der nächste Tag wird begrüßt von strahlend blauem Himmel und der stetigen Meeresbriese, die für etwas Abkühlung sorgt. Die ersten Kitesurfer sind bereits auf dem Wasser und sobald der Wind stark genug ist, wimmelt es dort von bunten Schirmen, die im Streben nach absolutem Chaos ihren Tanz vollführen. Einer der schwierigsten Spots an denen ich je gesurft bin aber sobald man sich mit den Wellen und dem starken Wind angefreundet hat wohl einer der windsichersten und größten der Welt. Kiter aus aller Herren Länder treffen sich hier um teils mehrere Monate zu verbringen und man kommt schnell ins Gespräch über neue Tricks, den Wind und die in den Wellenbergen verloren gegangenen Kiteboards.

So endlos wie die Kiter am Horizont ihre Bahnen ziehen, so endlos ist die Küstenstraße, wenn man die nahe Provinzstadt Phan Thiet in Richtung Süden verlässt. Mit dem Motobike lässt sich die einsame Straße am besten erkunden und schnell merkt man, dass die Gegend hier nicht so touristisch ist. Menschen winken einem zu, lächeln und alles wirkt gefangen in seinem eigenen Mikrokosmos. Ein Leben, dass sich Tag für Tag von Neuem vollzieht. Kinder, die an der Straße spielen, Jugendliche, die sich um die Kuhherde kümmern, der alte Mann in seinem Holzstuhl, dessen Gesicht von einem lebendigem Leben erzählt.

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Die Straße führt zu dem größten und ältesten Leuchtturm Vietnams. Auf einer Insel gelegen warnt er die Schiffe vor der felsigen Küste. Ein am Straßenrand sitzender Einheimischer hat uns als Touristen erkannt, springt sofort auf sein Gefährt und nimmt die Verfolgung auf. Nach ein paar Hundert Metern hat er uns eingeholt und winkt. Wir sollen ihm folgen. Er bringt uns zu einem Straßenlokal, in dem die Speisekarten noch auf vietnamesisch und alle anderen Gäste Einheimische sind. Während im Innenhof die Ente gerupft wird, bekommen wir Getränke und ein Schiff vermittelt, welches uns zum Leuchtturm bringt.
Hoch oben auf dem Turm, das schäumende Meer, die Felsen und die vietnamesische Küste unter sich, vollendet die Sonne ihren Kreis und taucht das das Land und den Himmel in fliederfarbene Pastelltöne. Jeder einzelne ein Abbild für die Hoffnungen und Träume der Menschen abseits der Städte, die versuchen zwischen Historie und Moderne, Kultur und Wirtschaft, Neugier und Sehnsucht seinen Platz in der Welt zu finden.DSC01317

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