HANOI

Nach einer Woche in Thailand hat mich der Wind inzwischen nach Vietnam getragen. Hanoi, die Hauptstadt heißt mich Willkommen. Zusammen mit einem Engländer fahre ich in die “Older City”, wo sich mein Hostel befindet. Noch nie habe ich ein Stadtzentrum erlebt, die sich so schwer beschreiben lässt. Es sind tausende verschiedener Eindrücke die in Sekundenbruchteilen auf mich einprasseln. Kaum möglich, jemandem allein mit Wörtern einen Eindruck zu vermitteln. Vielleicht hilft es, wenn man die Sinne getrennt erzählen lässt.

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Das Auge sieht Straßen voller Menschen, Motorrollern, Autos. Am Bürgersteig befinden sich alle paar Meter offene Feuerstellen auf denen in Töpfen alle erdenklichen Nahrungsmittel gekocht werden. Frauen tragen Früchte durch die Straßen. Die Häuser sind alt und die Sicht auf sie wird durch hunderte Stromleitungen verdeckt die sich wie schwarze Spinnweben an dünne Masten klammern. Der Boden ist naß und schmutzig,  fast als gäbe es hier Äcker, von denen Erde mit auf die Straße gebracht wird. DSC00665

Der Himmel ist bedeckt, es ist Winter in Nordvietnam. Vorbeifahrende Fahrzeuge blasen Rauchschwaden in die Luft. Die Bürgersteige sind belagert von unzähligen, dort abgestellten Mopeds. Sie zwingen die Fußgänger auf die Straße. Das Auge fällt auf den am Bürgersteig kauernden Mann, dessen Hand bis zur Schulter in einem engen Loch im Boden steckt und verzweifelt versucht einen Abfluss zu reinigen. In den zur Straße hin sehr schmalen Häusern befinden sich zahlreiche kleine Läden. Ein hochglänzender Juwelier wird einen Meter weiter abgelöst von einer Rollerwerkstatt in der ein Mechaniker mit dem Kompressor die Motorteile ausbläst, dann von einem möblierten Raum mit einem Fernseher und einem Tisch um den Leute sitzen. Im Hintergrund der Stolz der Familie, das Motobike. Fragen tauchen auf: Ist es eine Wohnung oder ist es eine Garage.

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Schließt man seine Augen und konzentriert man sich auf die Akustik wird es laut, es hört sich an als würde man sich auf einer Überlandfahrt hinter einem Brautauto befinden. Überwall wird gehupt. Es ist wirklich wie bei einer Hochzeit. Hunderte Rollerfahrer machen ihre Position mit der Hupe bemerkbar. Es ist eine Art Sicherheitsvorkehrung. Wie Fledermäuse die sich mittels Schallwellen zu verständigen versuchen sausen sie durch die schmalen Gassen der Altstadt. Man hört verschiedenste Huptöne und Intervalle. Einheimischen Scooterfahrer rufen überall “Moto Moto” zu und versuchen ihre Dienste anzubieten. Doch für das Ohr ist alles überlagert durch den Fahrzeugverkehr und das Dauerhupen.
Könnte man auch noch den Ton lautlos stellen würde der Geruchssinn versuchen mit den an der Straße allgegenwärtigen Autoabgasen zu kämpfen um neben ihnen noch etwas anderes wahrzunehmen. Leicht fällt es, den Duft des Popkorns zu erschmecken, das in einem auf dem Boden stehendem Topf gepoppt wird. Die Hühnerfüße, die aus dem daneben stehenden Korb hervorblicken, riechen dagegen (glücklicherweise) nicht so aufdringlich, genausowenig wie der  Geruch des Obstkarrens, den ein Vietnamese über den Bürgersteig schiebt. Der Essensstand an der Ecke  hingegen lässt eine schmackhafte Variation von Suppen erahnen.

Ein sanfter Wind weht durch die Straßen, vermengt die Gerüche und vermischt sie zu Hanois Parfum – mit einer explodierenden Kopfnote unbekannter Gerüche, einer ausdrucksstarken Herznote, gefüllt mit einer Fülle asiatischen Nuancen und untermauert von einer dunstigen Basisnote die man noch Stunden später in Erinnerung hat.

Das Gefühl, welches diese Eindrücke bilden wenn man sie zusammen fasst, vermögen es, nach wenigen Minuten einen Kulturschock in europäische Adern zu injizieren. Insbesondere wenn es einen unvorbereitet trifft.

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Zusammen bilden sie ein Gefühl von dem, was Lebendigkeit bedeutet. Rastlosigkeit. Energie. Dem Drang zu leben. Ein Zustand ständiger Umtriebigkeit und Veränderung.

Das ist Hanoi.

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