Kochkurs – Chiang Mai – cooking classes

“More spicy more sexy, more spicy, more sexiiii”

schallt es durch den Raum. Zusammen mit anderen Schülern stehe ich vor meinem silber glänzendem Wok. Der aufsteigende Dampf begleitet die wunderbar duftenden Gerüche zu meiner Nase. Die Gasflamme sorgt für Hitze, die Küchenhilfe für Schärfe (sie verteilt Chillis!!) und die Lehrlinge sorgen für Hektik.

Seit drei Stunden bin ich beim Kochkurs der Chiang Mai Baan Thai Cookery School. Es begann alles um 09.30 Uhr mit einem Besuch auf dem lokalen Markt, auf welchem die DSC00480Zutaten eingekauft wurden. Wenn man diese vielzahl von unterschiedlichen Früchten und Obstsorten  sieht, erkennt man, wie klein doch unser deutscher Wok der Varietät ist und wie schnell bei uns Sorten aus dem Sortiment genommen werden, nur weil sie nicht dem makellosen Verbrauchergedanken entstammen. Hier hingegen gibt es alles. Große, kleine, mittlere, winzige, schöne, angeschlagene, krumme, hässliche, verbogene, überreife und fleckige Früchte. Mehrere Sorten Basilikum, darunter Arten, die feine Zitronen- und Limettendüfte entsenden. Weiterhin mindestens fünfzehn Sorten Reis, unglaublich intensiv schmeckende Blätter der Kaffir-Limette und natürlich auch Grundnahrungsmittel die bei uns zu finden sind.Wir kaufen unter anderem Thai-Knoblauch, welcher etwas kleiner und geschmackvoller ist als die europäische Art, Zitronengras, Schalotten, Cashew-Nüsse, Chillies, Nelken und Limetten.

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Nachdem die wichtigsten Sorten erklärt sind wanderten wir zurück zur Kochschule, wo wir nun dabei sind all das zuzubereiten… Jeder Teilnehmer der internationalen Gruppe aus Kroaten, Australiern, Engländern, Japanern und Deutschen hat zuvor aus 20 verschiedenen Gerichten fünf ausgewählt.

In deDSC00487n Küchen liegen bereits die gewaschenen Zutaten, die nur noch in Form gebracht werden müssen. Eines der Gerichte nennt sich Panaeng Curry. Rein kommt unter anderem rote Curry Paste, Kokosnussmilch, Limettenblätter, Erbsen, Cashew-Nüsse und Schweinefleisch.  Nachdem wir also die Zutaten klein geschnitten haben, stehen wir nun also vor dem Wok. Im erhitzten Öl werden zuerst die Cashew-Nüsse geröstet. Der Australier ist der Meinung, er muss zum Wenden den Wok heben und als er dabei Öl verschüttet steigen die ersten Flammen auf.  Unser Lehrmeister, kurz abgelenkt vom Brandmeister, achtet kurzzeitig nicht auf den koratischen Röstmeister, der im Eifer seines Gefechtes vergisst, die Nüsse aus dem Wok zu nehmen.Sie sehen nun eher aus wie kleine schwarze Trüffel. Als er meinen Blick sieht  kommt nur ein “I like it crunchy!” Derweil wird das heiße Öl wird mit der Currypaste vermischt und beginnt zu köcheln. Alle Kochschritte werden angesagt: “Put the coconut in”, ruft die Lehrmeisterin und schon entfaltet sich ein sagenhafter Duft im Raum. Danach gleich das Fleisch, etwas Fischsoße, Palmzucker und Gewürze und schon läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Einige Tropfen Saft der Kaffir-Limette, die der Australier nennt “Retired-Lime”, Rentnerlimette, nennt, da sie eine ziemlich verschrumpelte Form hat, runden das Curry gekonnt ab.
Gegessen wird zusammen auf dem Boden sitzend im Esszimmer nebenan. Der Kroate kaut auf seinen crunchy Nuts herum und der  Engländer hat einen hochroten Kopf, weil er beim verteilen der Chillies “I like it more spicy, I am most sexyy!”, gerufen hat. Der Rest der Gruppe diskutiert über die gelungene Kombination der Inhaltsstoffe. Gerne würde ich mich beteiligen, aber zu Schlucken ohne Nachzufüllen würde bedeuten, die Geschmackskette zu unterbrechen und das wäre einfach zu schade. Mein Mund ist somit immer zu voll um zu reden. Als nach dem fünften Gang der Kroate völlig überfressen nach rechts umkippt, ist allen klar, wieso wir auf dem Boden sitzend speisen. Unfallverhütung.
Zum Abschied bekommen wir noch ein kleines Buch mit allen Gerichten, Zutatenbeschreibungen und Tipps in einem Heft zusammengefasst auf den Nachhauseweg mit.

Ein wahrlich geschmackvoller Tag in Chiang Mai!

Meine erste selbstgemachte thailändische Suppe

(Dies ist ein Bild meines zweiten Gerichts, der Prawn Soup)

Ein Denkanstoß:
Oft wird im Gespräch über asiatische Länder der unglaublich günstige Preis bei den Gerichten thematisiert. In meinen Erzählungen verzichte ich bewusst darauf, einen Vergleich zu geben, wie “billig” hier das Essen ist. Denn die thailändische Küche ist nicht billig sondern hochwertig. Was daran liegt, dass die Menschen hier Essen als Lebensgefühl betrachten. Zurecht ist es ihrer Ansicht nach ein Fehler, billige, anstatt qualitativ hochwertigen Produkten zu verwenden. Man kann ein gutes Essen nicht mit Geldscheinen bewerten. Es sollte weder teuer noch billig sein sondern qualitativ hochwertig. Lieber eine geschmackvolle Tomate als minderwertige Kaviar. Liebe ein mal in der Woche ein traumhaftes Steak, als jeden Tag Schlachtabflälle. Und wenn die Tomate ihren Preis hat, dann wird man sich auch zweimal überlegen, ob man sie noch verwerten kann wenn sie einen Riss oder eine Druckstelle hat und man es wegwirft.

Überlegen – kaufen – genießen!

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3 thoughts on “Kochkurs – Chiang Mai – cooking classes

  1. Kap! Für diesen und all deine anderen Berichte und Beobachtungen! Geniess es weiterhin in vollen Zügen! Man taucht grad wieder völlig in die schöne Lebenswelt Nordthailands ein!

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