On my way to Chiang Mai

Der Taxifahrer hält an der stark befahrenen Straße, ich verlasse den  Wagen. Es ist bereits dunkel als ich die riesige Eingangshalle betrete.  Ein Stahlgerüst hält das breite Dach an Ort und Stelle, wessen Umrisse durch einen schwarzen Dunst verwaschen erscheinen. Ohrenbetäubender Lärm umgibt mich. Eine Reise, zurück in vergangene Tage, das ist die Hua Lamphong Rail Station.  Der Zug, der auf Gleis 3 bereit steht wartet mit seinen 12 eisernen Kolossen darauf, hunderte von Touristen zu verschlucken. Er wird uns nach Chiang Mai bringen, die mit 148 000 Einwohnern größte Stadt in Nord-Thailand. Der Lärm und die Abgase werden von den unzähligen Dieselmotoren erzeugt, die laufen um die Klimaanlagen zu befeuern.
Das die Klimaanlage funktioniert merke ich beim Eintreten in den Wagon Nr. 10, in dem sich mein Abteil befindet. Die Dieselmotoren erzeugen eine unglaubliche Wärme, es hat weit über 30 Grad in der Halle. Im Zug hingegen kommt mir arktische Kälte entgegen. Der Temperaturunterschied ist gewaltig. Mit schwerem Gepäck und völlig verschwitzt springe ich wieder aus dem Wagon. Ich habe Angst, dass ich in dem Zustand an der Bordwand festfriere sobald ich mich anlehne.  DSC00336 (960x1280)
Einige Minuten später habe ich mich klimatisiert und rolle gemeinsam mit hunderten anderen Reisenden in Richtung Norden. Das Schlafabteil teile ich mir mit zwei überaus angenehmen Menschen, ein Pärchen mittleren Alters aus Utah und einem asiatischem Jugendlichen, der allerdings nie etwas sagt, sondern nur die ganze Zeit grinst. Die zwei Amerikaner, Maria, eine Lehrerin und David, Anwalt, sind politisch auf Obamas Seite und erzählen über ihre Erfahrungen im Wahlkampf. In der Zeit vor den Wahlen zogen sie zusammen von Haus zu Haus um für die Demokraten zu werben. Auch wenn für uns kaum vorstellbar, ist dies dort durchaus üblich, Telefonanrufe und Hausbesuche zu machen, um die Wählerschaft zu überzeugen. Es gibt Listen in denen die Wähler nach Wahlbereitschaft und Tendenz einsortiert sind und zusammen mit mehreren tausend anderen freiwilligen Unterstützern werden so systematisch politische Bildung betrieben und Wahlprogramme aufgeklärt.

Der Asiate lächelt inzwischen nicht mehr. Möglicherweise versteht er nur Kuala Lumpur. Irgendwann verlässt er den Raum und geht sich ein Bier holen. Zuviel Input. Wir unterhalten uns noch ein wenig über die EU-Wirtschaftskriese, welche den Amerikanern offensichtlich wirklich Sorgen macht. Zu verstrickt sind die wirtschaftlichen Beziehungen in unsere Wirtschaftsgemeinschaft, als dass ein schwächeln der Euro-Zone an ihnen vorbeigehen würde. Nachdem die Betten gemacht und die Vorhänge zugezogen sind, wiegt uns die Federung des Zuges sanft in den Schlaf.
Wach werde ich erst wieder, als der Asiate im Abteil steht. Nun lächelt er wieder, liegt wahrscheinlich an dem Bier, dass er zur Genüge getrunken hat. Nachdem er registriert hat, dass von uns heute keiner mehr mit ihm feiert, verzieht er sich in Richtung Speisewagen.
Am nächsten Tag begebe ich mich dorthin um ein Frühstück zu organisieren. Hoffnungslos. Alles. Alles Hoffnungslos. Hoffnungslos, siDSC00343 (960x1280)ch zwischen den Leuten vom Eingang des Speisewagens bis zur Theke durch zu schieben und hoffnungslos, ein Frühstück bekommen. Es ist 09.30 Uhr. Der ganze Speisewagen inklusive Asiate tanzt. Erst nachdem ich kurz mitgetanzt habe, lassen mich die Gäste zum Tresen vor. Auf meine Frage nach dem Frühstück hält mir die thailändische Zubegleiterin ein Bier hin und singt nebenbei Karaoke in ihr Mikrofon. So sieht also ein Frühstück in Nordthailand aus. Prost. Habe ich schon erwähnt, dass es 09.30 Uhr ist?

Ich kämpfe mich tanzenderweise zurück zum Ausgang. Der Asiate will jetzt plötzlich ein Gespräch auf einer Art Englisch beginnen. Aber ich grinse nur…

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One thought on “On my way to Chiang Mai

  1. Lieber Ferdi ich bin echt beeindruckt von deiner anschaulichen Erzählweise, deinem Humor und Poesie. Ich freue mich deine weiteren Erlebnisse lesenderweise teilen zu dürfen.

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